Geschichte des DRAV

1976 wurde der Grundstein für den DRAV gelegt. In diesem Jahr gründeten Herr Heinz Lyra, Leiter der polnischen Animex-Vertretung, und Herr Holger Ismer, Tierpark Ströhen,  mit einigen interessierten Züchtern die "Deutsche Renngesellschaft für Arabische Vollblüter" (DRAV). Der Sitz der Gesellschaft war in Ströhen und ein Sekretariat in Hamburg. Lange zuvor wurden bereits in Polen und in der damaligen UdSSR Leistungsprüfungen durch Rennnen erfolgreich abgehalten. Warum dann nicht auch in Deutschland? Das erste Trainingszentrum entstand in Ströhen unter der Leitung von Herrn Holger Ismer. Bereits im Herbst 1976 war das Trainingszentrum mit 24 Vollblutarabern bestens besetzt. Herr L.Chatizow trainierte die Pferde in Ströhen. Danach folgten die Verhandlungen mit dem "Direktorium für Vollblutzucht und Rennen" und den übrigen zuständigen Stellen. Nachdem alle Termine abgestimmt waren und das Training der Pferde sich bestens entwickelte ging es dann zu einem Proberennen nach Gelsenkirchen-Horst. Der erste offizielle Start erfolgte dann am 19.5.1977 in Dortmund mit 12 Pferden. Die Rennen liefen sehr gut und fanden positiven Anklang beim Publikum. Jedoch sah Herr Ferdi Leisten, Präsident der "Besitzervereinigung für Vollblutzucht und Rennen e.V.",  in den Arabern auf der Rennbahn eine mögliche Konkurrenz für die Englischen Vollblüter. In der damaligen Besitzer-Post vom 4.5.1977 warnte er davor den Arabern ein "gemachtes Bett hinzustellen" und forderte die Besitzer auf "mit allem Nachdruck dafür einzusetzen, dass der Galopprennsport sich nicht dafür hergibt, den Ehrgeiz einiger Züchter und Besitzer arabischer Pferde, mit ihren Pferden Rennen zu veranstalten, zu unterstützen und zu fördern."  Am 30.6.1977 wurde im Wochenrennkalender folgendes Bekannt gegeben. "Ein Rennverein darf an einem Renntag, an dem auf seiner Bahn Rennen der Klasse A gelaufen werden, keine Rennen für Araber oder Vollblutaraber durchführen" Dadurch waren die Arber auf die Provinzbahnen verbannt, die A-Bahnen blieben ihnen verwehrt. Herrn Lyra gelang es dann doch am 10.9.1978, während des WAHO-Kongresses, zwei nationale und drei internationale Rennen in Hamburg-Horn durchzuführen. Trotz des großen Erfolges konnten die Araber weiterhin nicht auf den A-Bahnen starten. 1978 entwarf Herr Heinz Lyra dann eine eigene Rennordnung für Arabische Vollblüter (ARO) und ließ vom Institut für Tierzucht und Hausgenetik der Universität Göttingen ein Gutachten durch Herrn Dr.E.Bruns erstellen. Auf Grund dieses Gutachtens wurden für Arabische Vollblüter Rennen als Zuchtrennen annerkannt und gesetzlich als Alternative zum 100-Tage Test in der Anlage zu §2 der "Verordnung über die Körung von Hengsten" am 20.8.1979 verankert. Herr Lyra konnte den Erfolg leider nicht mehr geniessen, da er im Mai 1979 tödlich verunglückte. Die Nachfolge trat Herr Gerhard Hussmann aus Alpen/Rheinland an. Herr Hussmann hatte bereits 1977 ein zweites Trainingszentrum auf Rittergut Winkel von Baronin Gisela v.d. Heyden-Rynsch errichtet.

 

logodrav

Das Logo des DRAV hat eine reale Vorlage. Für die Zeichnung diente eine Fotografie der Araberstute Seja als Vorlage. Sie wurde am 23.März 1974 im Haupt und Landgestüt Marbach als Tochter von Hadban Enzahi (*1952) und Sethnacht (*1964) geboren. Besitzerin war Irmtrud Mundinger aus Weingarten. Sejsejaa befand sich im Training beim Vorgänger des heutigen DRAV, der Renngesellschaft Ismer, unter Trainer Chatizow aus Polen, und feierte 1977 ihr Debut auf der Rennbahn.

Logo und Aufkleberbild stammen von dem bekannten Künstler Carl-Heinz Dömken, geboren am 14.April 1929 in Hannover. Nach Schauspielschule und Regieassistenz kam er zum Zeichnen und zum Journalismus. Bei Verden an der Unterweser unterhielt Dömken einen Pferdehof mit prachtvollen Arabern. Davon erzählen auch seine Bücher. Zudem entwarf er seit 1995 Deckelbilder und Illustrationen für den logodrav2Karl-May-Verlag. Mit dem Silberschimmel Ghazal (Nazeer x Bukra), der 1955 aus El Zahraa nach Deutschland gekommen war, erfüllte er sich einen Jugendtraum, einen Araberhengst zu besitzen. Am 12.12.2012 verstarb Carl-Heinz Dömken imseja grafik Alter von 82 Jahren

 

 

Siegerehrung des 1. Vollblutaraberrennens

Sieger erste RennenSiegerehrung des 1. Vollblutaraberrennens am 19.Mai 1977 in Dortmund durch DRAV-Gründungsmitglied Prof.Dr. Bernhard Grizmek, rechts neben ihm Egbert von Schmidt-Pauli, Generalsekretär im Direktorium für Vollblutzucht und Rennen. Besitzerin des Siegerpferdes ist Almuth Ismer in Ströhen(2. von links). Trainer L. Chatizow steht links im Bild. Wileika war das Siegerpferd des 1. Rennens in Dortmund am 19.Mai 1977, das von L.Chatizow trainiert wurde. Die Reiterin hieß Francesca Bronnenmeier.

 Wileika

 

 

 

 

 

 

Und Allah nahm eine Handvoll Südwind ...

von Gudrun Waiditschka

Und Allah nahm eine Handvoll Südwind...
Die Geschichte des Arabischen Pferdes ist alt - so alt, daß sich ihre Spuren im Sand der Wüste verlieren. Sicher scheint heute nur eines: Die Pferde, welche man später in Arabien und Ägypten fand, kamen aus dem Osten, denn dort, in der Gegend des Schwarzen und des Kaspischen Meeres, liegt der Ursprung und das Domestikationszentrum aller Pferde. Wann nun das Pferd auf die Arabische Halbinsel kam, läßt sich nicht genau sagen, doch um 1650 v.Chr. brachten die Hyksos Pferde und Streitwagen nach Ägypten. Dort verstand man es über 3000 Jahre lang ein Pferd edelster Statur zu züchten, wozu man später auch immer wieder auf die Pferde der Beduinen der Arabischen Halbinsel zurückgriff.

Die Lehren des Propheten

Bis ins 7. Jhdt.n.Chr. liegen kaum Geschichtszeugnisse über die Arabische Halbinsel vor - und damit auch keine Zeugnisse über das Pferd. Doch mit den Lehren des Propheten Mohammed (570 - 632 n.Chr.), dem Stifter des Islams, sollte sich dies ändern. Mohammed erkannte, daß er nur mit Hilfe des Pferdes die Botschaft Allahs in alle Welt tragen konnte. So erhielt das Pferd einen hohen Stellenwert, was durch zahlreiche Koransuren untermauert wird: Wer ein Pferd besitzt und es hoch ehrt, den wird auch Allah ehren. Jedes Gerstenkorn, das du deinem Pferd gibst, wird Allah dir als gute Tat anrechnen.

Wer ein Pferd zu Ehren Allahs hält, der wird ins Paradies eingehen. Wer ein Pferd für den Heiligen Krieg vorbereitet, den wird Allah wie ein Märtyrer belohnen. Die bösen Geister betrete kein Zelt, in dem ein reinblütiges Pferd weilt.

Mohammed schaffte es auf diese Weise, eine blühende Pferdezucht in einem Land zu schaffen, das von Natur aus wenig für Pferde geeignet ist. Nach seinem Tod überrannten seine Anhänger Syrien, Palästina und Ägypten. Gegen Ende des 7. Jhdt. beherrschten die Mohammedaner ganz Nordafrika bis hin zur Atlantikküste. Um 750 n.Chr. war nahezu die ganze Iberische Halbinsel von den Mauren besetzt und es sollte über 700 Jahre dauern, bis sie wieder vertrieben waren. Wenngleich es umstritten ist, in welcher Anzahl die Moslems auf ihren Eroberungszügen Arabische Pferde mitbrachten, so ist doch der Einfluß des Arabischen Pferdes in diesen Ländern nicht
wegzudiskutieren.

Der Araber als Kriegspferd

Das Arabische Pferd war also ein Kriegspferd, mit dem die Anhänger Mohammeds ganze Landstriche überrollten und die hervorragendsten Eigenschaften dieser Pferde waren - damals wie heute - Härte, Ausdauer und Schnelligkeit, gepaart mit menschenfreundlichem Charakter, Langlebigkeit und Eleganz. Es war dieses Pferd, das über Jahrhunderte hinweg immer wieder vereinzelt seinen Weg nach Europa fand und das die europäischen Ankaufskommissionen im letzten Jahrhundert in größerem Maßstab importierten, um der bodenständigen europäischen Zucht neue Impulse zu geben. Auf diese Weise gibt es heute nur sehr wenige Reitpferdezuchten, die nicht im Laufe ihrer Geschichte vom Arabischen Pferd beeinflußt wurden. Prominentestes Beispiel ist sicherlich das Englisch Vollblutpferd, das auf die Gründerväter Darley Arabian, Byerley Turk und Godolphin Arabian zurückgeht. Sie wurden zwischen 1690 und 1730 nach England gebracht und fast alle Englischen Vollblüter gehen in direkter männlcher Linie auf diese drei Hengste zurück. Als 1793 das "General Stud Book" der Englischen Vollblutpferde gegründet wurden, registrierte man 100 orientalische Hengste (Araber, Perser, Türken, Berber) und 43 Stuten. Durch Selektion auf Schnelligkeit auf kurzen Distanzen entwickelte sich eine Pferderasse, die auf diesem Gebiet unschlagbar ist.

Die Welt rückt zusammen

Ähnlich wie die Zucht des Englischen Vollbluts ist auch die Zucht des Arabischen Pferdes so international wie sonst bei keiner Rasse. Sie ist also keineswegs auf die Arabischen Länder beschränkt - im Gegenteil: Es gibt kaum ein Land, in dem es keine Arabischen Pferde gibt! Die "World Arabian Horse Organization", der weltweit agierende Dachverband der Araberzuchtverbände, zählt mittlerweile 54 Mitgliedsländer. Es herrscht reger Austausch von Zuchttieren über Kontinente hinweg und so manches herausragende arabische Renn- oder Schaupferd hat schon für sechs- und siebenstellige Beträge den Besitzer gewechselt. Rennaraber stehen in den Ställen des Aga Khans und der Scheichs der arabischen Länder genauso wie in den Ställen berühmter Persönlichkeiten der Filmleinwand.

Die Ausdauerspezialisten

Wenngleich das Englische Vollblut nach wie vor auf kurze Distanzen unschlagbar ist, so haben die Araber die Nase vorn wenn es auf lange Distanzen geht, wie ein Rennen, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Nedschd stattfand, zeigte. Hier traten Englische Vollblüter, für die die Engländer sich 40 Tage Vorbereitungszeit erbeten hatten, gegen Arabische Pferde an. Das Rennen sollte drei Stunden dauern und wie erwartet liefen die englischen Pferde in der ersten halben Stunde den arabischen davon, doch die Araber überholten schließlich und gelangten lange Zeit vor den Englischen Pferden im Ziel an. Hier standen nun die Englischen Vollblüter völlig atemlos, während die Araber tänzelnd auf neue Herausforderungen warteten. Die Beduinen zuckten nur die Schultern über Pferde, die ein Drei-Stunden-Rennen "dienstunfähig" machte. Was die Arabischen Pferde tatsächlich an Ausdauer zu leisten vermögen, beschreibt General Daumas (1853): "Ein gutes Pferd in der Wüste muß 5-6 Tage hintereinander 111-173 km zurücklegen, zwei Ruhetage und es kann von neuem anfangen... Aber andererseits sieht man nicht selten Pferde in 24 Stunden 223-267 km zurücklegen."

Warum Araberrennen?

Heutzutage gehen weder Rennen über drei Stunden, noch wird bei Distanzritten in 24 Stunden mehr als 160 km gefordert. Um den Zuschauern den Nervenkitzel zu erhalten, führen Galopprennen meist über Distanzen von 1300 bis 2600 m, selten mehr. Und man ist davon abgekommen, verschiedene Rassen gegeneinander laufen zu lassen, so bleiben die Araber auf der Rennbahn unter sich. Warum also dann Araberrennen? Zum einen dienen diese Rennen dem Züchter heute als "Gesundheitscheck" - mit einem Pferd, das über zwei Saisons gesund auf den Beinen bleibt, kann man getrost züchten. Zum anderen sind auch Araberbesitzer nur Menschen - sie lassen sich genau wie die vielen Besitzer, Trainer, Reiter und Zuschauer der Englischen Vollblutrennen von dieser besonderen Atmosphäre des Rennsports gefangennehmen. Für viele ist es der Nervenkitzel, sein eigenes Pferd rennen zu sehen, zu wetten, mit gleichgesinnten zu fachsimpeln, das den Reiz ausmacht. Ein Rennaraber-Besitzer hat dieses Gefühl einmal folgendermaßen zusammengefaßt: "Die Bandbreite der Gefühle, durch die ein Rennpferdebesitzer in diesen zwei Minuten des Rennens geht, ist unglaublich: Nervosität, Zweifel, Sorge, Bedenken, Glück, Überschwang, Begeisterung - es ist alles da!" Und last but not least ist einer der Gründe, weshalb man immer häufiger Araber auf der Rennbahn sieht, der, daß diese edlen Pferde schnell zum Publikumsliebling wurden, denn diese Rasse hat seit Jahrtausenden nichts von ihrem Charme, von ihrer Eleganz und ihrer Schönheit eingebüßt.

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